Die ultimative Kaufberatung

Fahrräder selbst zu reparieren macht nicht nur Spaß und spart bares Geld. Es gibt einem auch das gute Gefühl, den technischen Zustand des eigenen Rades zu kennen. Wer schon mal ein einem Auto die Reifen wechseln ließ kennt das mulmige Gefühl des: “Hoffentlich haben die auch alle Radmuttern richtig angezogen.“. So ähnlich verhält es sich auch beim Fahrrad. Oder noch schlimmer: man hatte es für teueres Geld in der Werkstatt und man ist unzufrieden.

Das Kreuz mit den Fahrradläden …

Mir selbst mal so passiert bei einem Federgabel-Service. Man riet mir die Gabel von Luft auf Stahlfeder umbauen zu lassen, was ich trotz der hohen Kosten damals durchführen ließ. Ich hatte ja keine Ahnung, traute es mir selbst nicht zu – mal vom Spezialwerkzeug das ich nicht hatte abgesehen, und es wahr ja ein renommierter Laden. Das Ende vom Lied: die Gabel funktionierte nun schlechter als zuvor.

Ein anderes mal wollte ich die Scheibenbremsaufnahme einer Starrgabel planfräsen lassen. KOstenpunkt 20 Euro für 5 Minuten Arbeit. OK, günstiger als das Werkzeug um es 1-2 Mal zu benutzen. Beim Radladen (diesmal ein anderer) angerufen, ja, ich solle am nächsten Tag mal vorbei kommen, was ich dann auch tat. Aber kurz mal machen, obwohl in der Werkstatt nicht viel los war – weit gefehlt: Termin – 1 Woche später. Abgesehen davon, dass dies nicht sehr kundenfreundlich ist – hätte man mir das nicht gleich am Telefon sagen können? Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich keine Ausnahme bin.

Ich möchte jetzt aber nicht alle Radläden über einen Kamm schweren, es gibt natürlich auch Gute. Und wer so einen guten Local Bike Shop hat, mit netten Leuten, kompetentem und zuvorkommendem Service, dann um Himmels willen, unterstützt den Laden!

Meine Erfahrung ist aber, dass solche Läden eher die (große) Ausnahme sind. Grund genug (für mich), mich selbst um das eigene Rad bzw. die eigene Räder zu kümmern, und, frei nach diesem Kultbuch, hat auch Fahrradwartung eine Zen-gleiche spirituelle Dimension.

Welche Situation trifft auf dich zu?

Wenn man sich nun entschieden hat sich um die Wartung seiner Fahrräder selbst zu kümmern, dann sollte man zunächst mal eine Bestandsaufnahme machen was man an Werkzeug bereits zuhause hat, was man auf jeden Fall benötigt und ob man nur zuhause in der Garage oder im Keller schrauben will, oder auch unterwegs.

Grob gesagt kann man 3 Situationen unterscheiden:

  1. Keinerlei (fahrradspezifisches) Werkzeug vorhanden, es soll nur zuhause geschraubt werden
  2. Eine Grundausstattung an Werkzeugen ist vorhanden (Zangen, Schraubenzieher, Maul-/Inbusschlüssel, …), es soll nur zuhause geschraubt werden
  3. Werkzeug ist vorhanden oder auch nicht, es soll aber auch mitgenommen werden können (z.B. auf Wettkämpfe)

Bevor ich allerdings weiter auf die einzelnen Fälle eingehe, sei erwähnt, dass es sich immer Aushalt in Qualität zu investieren. Mit Qualitätswerkzeug zu arbeiten macht mehr Spaß, denn es “funktioniert” besser. Außerdem ist die Gefahr Teile zu beschädigen geringer, weil Qualitätswerkzeuge aus besserem Material, härter und sorgfältiger gearbeitet sind. Und sollte es je mal dazu kommen: ein hochwertiges Werkzeug hat immer einen guten Wiederverkaufswert. Andererseits muss es auch nicht immer das teuerste sein, bestimmte Qualitäten reichen für manche Anwendungen aus.

Allerdings rate ich eher davon ab aus einem vermeintlichen “ich brauch das nur ab und zu, und will nicht viel Geld ausgeben” einen günstigen Fahrradwerkzeugkoffer wie diesen hier zu kaufen, auch wenn er gut bewertet ist. Liest man nämlich mal die Bewertungen, dann kann man rauslesen, dass diese eigentlich nur so gut sind, weil man “bei diesem Preis nichts erwartet hat“, und nicht weil das Gesamtpaket stimmt.

Aber widmen wir uns nun den drei Szenarien.

Fall 1: kein Werkzeug vorhanden, es soll nur zuhause geschraubt werden

Je nachdem ob man die Präferenz hat, dass alles schön aufgeräumt an einem konkreten Ort fahrradspezifisch aufbewahrt wird (manche Leute mögen das so) oder nicht, bietet es sich an eher einen Werkzeugkoffer zu kaufen oder einzelne Werkzeuge. Welche Werkzeuge das im einzelnen sind richtet sich dabei nach dem Fahrrad. Ist es eines mit halbwegs aktueller Technologie (hauptsächlich Inbus- d.h. Innensechskantschrauben), dann würde folgendes Werkzeug zur Grundausrüstung empfehlen, also:

Fall 1A: Einzelwerkzeuge

  • Satz Inbusschlüssel, lang – hier
  • Satz Schraubendreher – hier
  • Seitenschneiderzange – hier
  • Einmaulschlüssel – hier
  • Satz Gabelschlüssel (optional) – hier
  • Kassettenabzieher – hier
  • Kettenpeitsche – hier
  • Innenlagerwerkzeug HT2 – hier
  • Werkzeug für zweiteilige Kurbeln, HT2-kompatibel – hier
  • Innenlager Werkzeug Vierkant/Octalink – hier
  • Kettenwerkzeug Set – hier
  • Konusschlüssel für Nabenlager – hier
  • Reifenheber – hier

Fall 1B: Werkzeugkoffer

Das Ganze gibt es auch in Kofferform, wenn auch nicht 1:1. Als Minimum empfehlenswert wäre der 25-teilige Koffer hier, besser ist der 30-teilige, hier. Allerdings auch nur für den der sehr aufs Geld schauen muss.

Wer es allerdings als langfristige Investion ansieht und ein paar Euro mehr auszugeben bereit ist oder sich ganz einfach an Qualitätswerkzeug erfreut, dem sei der Parktool AK-3 empfohlen solange er noch erhältlich ist. Das Nachfolgemodell AK-4 ist bereits erhältlich aber deutlich teurer, bei kaum besserem Werkzeugsortimen. Siehe hierzu auch die Beurteilungen zum AK-3 und AK-4.

Eine Alternative zum AK-3/Ak-4 ist der SK-3. Der ist zwar wesentlich schlechter sortiert dafür deutlich günstiger. Möchte man also einen soliden Koffer, dann kann man auch den SK-3 kaufen und um weitere Werkzeuge ergänzen – Beurteilung SK-3: hier.

Fall 2: Grundausstattung an Werkzeug vorhanden, es soll nur zuhause geschraubt werden

Im Wesentlichen gilt das Gleiche wie bei Fall 1, mit der Ausnahme, dass man sich nur die Werkzeuge kauft die fehlen.

Fall 3: Transportable Fahrradwerkzeuglösung

Hier gilt das Gleiche wie für Fall 1B. Empfohlen wird der zur Zeit noch erhältliche Park Tool Ak-3 vor dem Park Tool AK-4, der bei bei Bedaerf um weitere Werkzeuge erweitert wird bzw. der Park Tool SK-3 der als Basis dient zum Aufbau eines individuell abgestimmten Werkzeugkoffers. Einziger Nachteil: er ist etwas kleiner – vergleiche hier. allerdings müssen voluminöse Teile wie das Kettenreinigungsgerät, das man ohnehin braucht oder auch nicht, und eine Bürste nicht unbedingt in die Werkzeugkiste, schon aus Gründen der Sauberkeit.

Fazit

KEIN Koffer bietet das “Rundum-Sorglos”-Paket, sprich enthält jedes erdenkliche Werkzeug für jedes Fahrrad das da draußen rumfährt. Hat man ein älteres oder billigeres Fahrrad, dann tut’s einer der günstigeren Koffer wie der Super-B- oder der 25- bzw- 30 teilige Universal-Werkzeugkoffer.

Alle die ein teureres (und/oder halbwegs aktuelles) Rad ihr Eigen nennen würde ich empfehlen in gutes Qualitätswerkzeug investieren. Beziehungsweise würde ich es jedem empfehlen, den es Arbeitet sich besser damit und sollte man es je erwägen, kann man es auch wieder zu einem guten Preis verkaufen. Park Tool ist der Platzhirsch im Bereich des hochwertigen Fahrradwerkzeugs, allerdings kann man manchen Inhalt deren Werkzeugkoffer sehr wohl in Frage stellen, wie beispielsweise den Flaschenöffner, das Maßband, Bürsten, Flicken usw. Der Flaschenöffner ist natürlich zu allererst einmal ein Gimmik und nicht wirklich ein Werkzeug.

Der Flaschenöffner macht einen nicht arm und das Maßband auch. Allerdings frage ich mich tatsächlich was sich Park Tool dabei gedacht hat – erstens braucht man ein Maßband zur Fahrradreparatur äußerst selten, und zweitens hat praktisch jeder ein Lineal, Zollstock o.ä. im Haushalt. Auch einen Reifenflicken braucht man praktisch nie, und wenn dann kann man sich mit einen gefalteten Geldschein oder einem Stück dünnem Karton o.ä. behelfen. Zumal man den ja auch unterwegs dabei haben sollte und nicht daheim im Werkzeugkasten.

Dennoch, und da wiederhole ich mich, ist ein Park Tool Set eine hervorragende, wenn nicht gar die beste Grundlage für die eigene Heimwerkstatt.

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